Kurz: Dresden liegt im weichen Bereich, also unter 8,4 °dH. Praktisch heißt das viel Schaum bei wenig Produkt, längeres Ausspülen und ein Hautgefühl, das viele Zugezogene für „nicht richtig sauber" halten. Es ist sauber.
Der Grund liegt in der Herkunft: Ein großer Teil des Dresdner Trinkwassers kommt aus Talsperren im Erzgebirge, gespeist von Niederschlag über kalkarmem Gestein. Grundwasser aus kalkhaltigen Schichten sieht anders aus.
Die drei Härtebereiche
Die Einteilung steht im Wasch- und Reinigungsmittelgesetz. Umrechnung: 1 mmol/l entspricht 5,6 °dH.
| Härtebereich | mmol/l CaCO₃ | Grad deutscher Härte | Was im Bad auffällt |
|---|---|---|---|
| weich | unter 1,5 | unter 8,4 °dH | viel Schaum, langes Spülen, schlüpfrige Haut |
| mittel | 1,5 bis 2,5 | 8,4 bis 14 °dH | ausgeglichen |
| hart | über 2,5 | über 14 °dH | wenig Schaum, Belag auf Armaturen und Haar |
Dresden steht links, München und Berlin rechts. Zwischen diesen Spalten liegt ein Faktor von etwa 2 bei der nötigen Shampoomenge.
Die Dosierung ist der ganze Unterschied
In hartem Wasser reagiert ein Teil der Tenside mit Calcium und Magnesium zu Kalkseifen. Die schäumen nicht, reinigen nicht und gehen als Verlust ab. Deshalb greift man dort zu mehr Produkt.
Fällt dieser Verlust weg, wirkt dieselbe Menge stärker. Wer die alte Gewohnheit mitbringt, entfettet die Kopfhaut über Wochen und wundert sich, dass sie schneller nachfettet.
Praktisch für den Umzug nach Dresden: etwa die Hälfte der gewohnten Menge, dafür 20 bis 30 Sekunden länger ausspülen. Bei schulterlangem Haar sind das grob 2 Milliliter statt 4.
Warum länger gespült werden muss
Ohne Calcium und Magnesium bleiben die Tenside länger gelöst und lagern sich schlechter ab. Chemisch ist das günstig, praktisch verlängert es das Ausspülen.
Das schlüpfrige Gefühl auf der Haut ist keine Seife im Wortsinn, sondern eine Mischung aus Tensid und gelöstem Hautfett. Sie verabschiedet sich langsamer, mehr nicht.
Was das für Farbe bedeutet
Weiches Wasser ist für die Struktur günstig: weniger Mineralien lagern sich in der Schuppenschicht ein, aufgehelltes Haar bleibt klarer im Ton.
Der Preis liegt beim Pigment. Weil gründlicher und länger gespült wird, wäscht sich vor allem Direktzieher schneller aus. Wer kräftige Töne trägt, rechnet in Dresden eher mit 3 bis 10 Wäschen als mit dem oberen Ende der üblichen Spanne.
Die Ausnahme: das Rohr im Haus
Was aus der Leitung kommt, ist nicht immer das, was das Wasserwerk abgibt. Weiches Wasser ist gegenüber Metallen aus alten Installationen weniger gepuffert als hartes.
Wer trotz weichem Härtebereich dauerhaft Belag oder einen metallischen Stich im blondierten Haar sieht, sollte die Hausinstallation prüfen lassen, statt Produkte zu wechseln. 1 Chelat-Shampoo klärt kurzfristig, die Ursache liegt dann aber im Rohr.
Häufige Fragen
Warum ist Talsperrenwasser weicher als Grundwasser?
Weil es aus Niederschlag stammt, der über kalkarmes Gestein abfließt. Grundwasser durchläuft dagegen kalkhaltige Schichten und nimmt dort Calcium und Magnesium auf.
Wie viel Shampoo braucht man dann?
Deutlich weniger. Wer aus einer Stadt mit über 14 °dH zuzieht, kommt oft mit einem Drittel bis der Hälfte der gewohnten Menge aus. Die alte Dosierung wäscht über Wochen zu scharf.
Warum fühlt sich die Haut schlüpfrig an?
In weichem Wasser bilden sich kaum Kalkseifen. Die Tenside bleiben länger gelöst und verabschieden sich langsamer. Das Gefühl ist Rückstand von Tensid und Hautfett, kein Zeichen für schlechtes Abspülen.
Ist weiches Wasser besser für gefärbtes Haar?
Für die Struktur ja, weil weniger Mineralien einlagern. Der Farbton wäscht sich aber eher schneller aus, weil länger und gründlicher gespült wird.
Braucht man dann noch ein Chelat-Shampoo?
Als Routine nicht. Sinnvoll bleibt es nach dem Baden in mineralhaltigem Wasser oder wenn Rohrleitungen im Altbau Metall abgeben.
Quellen
- Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (WRMG): definiert die drei Härtebereiche und die Informationspflicht
- Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen: Betreiberin der Talsperren im Erzgebirge
- Umweltbundesamt: Trinkwasser: Hintergrund zu Aufbereitung und Qualität



